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Aus unserem Live-Forum vom 10.11.-31.12.2019
Die Beiträge stellen die Meinung der jeweiligen Verfasser dar.

Die B 464 wird zur Todesstrecke“
von Team 2020 am 21 Dec. 2019 11:45
So berichtet die Stuttgarter Zeitung am 11. Dezember 2019 von der Ersatzautobahn B 464. Auf ihr sind zwischen 2016 und 2019 vierzehn Personen tödlich verunglückt.

Ohne dich gäbe es die B 464 nicht“ berichtet die Sindelfinger Zeitung aus der Magstadter Gemeinderatssitzung vom 3. Dezember 2019. Dieses „größte Lob“ bekam die Gemeinderätin Sabine Schmidt (FWV) vom Fraktionsvorsitzenden der SPD Rudolf Franko, ihrem treuen Wegbegleiter.

RE: „Die B 464 wird zur Todesstrecke“
von Team 2020 am 27 Dec. 2019 20:18
Kurze Erläuterung zur langen Geschichte dieser Fehlplanung

1934 Im Ausbaunetz der Reichs-Autobahnen ist der Abschnitt A 81 Leonberg-Gärtringen Beginn der Bodensee-Autobahn.

1973-1978 Die Einsprüche des Leonberger Oberbürgermeisters Dr. Ortlieb gegen die A 81 Leonberg-Gärtringen weist Staatssekretär Ernst Haar vom Bundesverkehrsministerium mehrmals zurück.

1979 Landrat Dr. Heeb (SPD) erklärt im Kreistag, an der A 81 Leonberg-Gärtringen führe kein Weg vorbei. Der junge Renninger Bürgermeister Maier (FWV) verlangt die unverzügliche Aufnahme des Planfeststellungsverfahrens für die A 81.

Gegen diese Autobahnstrecke wenden sich die Landtagsabgeordneten Birzele, Lamparter und Grunert (alle SPD) und fordern stattdessen eine ortsnahe Umgehungsstraße für Maichingen und Magstadt und den sechsspurigen Ausbau der A 81 zwischen Sindelfingen und Böblingen. Zwischen den Autobahnanschlussstellen Leonberg und Stuttgart-Vaihingen sollen sich A 8 und A 81 überlagern, eine verhängnisvolle Forderung.

1981 Böblingens Oberbürgermeister Brumme (CDU) und der Magstadter Bürgermeister Bohlinger (FWV) halten an der Autobahn A 81 Leonberg-Gärtringen fest. Dagegen hält Landrat Dr. Heeb (SPD) sie jetzt für entbehrlich. Die Planungsbeauftragten des Büros Steierwald/Schönharting halten anstelle der Autobahn Leonberg-Gärtringen eine ortsnahe Umgehungsstraße B 464 für Maichingen und Magstadt für richtig.

1984 Renningens Bürgermeister Maier warnt jetzt vor dem Bau der Autobahn Leonberg-Gärtringen.

1985 Politiker erklären die A 81 Leonberg-Gärtringen für politisch nicht durchsetzbar. Innenminister Schlee (CDU) teilt mit, die Landesregierung habe sich für eine zweispurige Verbindung entschieden, da Städte und Gemeinden aus ökologischen Gründen eine vierspurige Lösung verworfen hätten.

1987 Der Verkehrsplaner Schönharting hält nun eine zweispurige Lösung für 17 000 Fahrzeuge am Tag für möglich. Die Gemeinde Magstadt fordert wegen der starken Steigungen des Streckenabschnitts auf ihrer Markung aber eine dritte Spur. Das wird abgelehnt.

1990 Eine Magstadter Bürgerinitiative wendet sich gegen eine ortsnahe Trasse, weil sie mit einem Verkehrs-Aufkommen von mindestens 30 000 Fahrzeugen am Tag rechnet. Zusammen mit Maichinger Landwirten verlangt sie eine erweiterbare landschaftskonforme Straße, die auf der Trasse der zuerst geplanten A 81 Leonberg-Gärtringen möglich ist. Die Maichinger Bauern unterliegen mit ihrer Klage beim Verwaltungsgericht Mannheim und verlieren über 20 000 DM.

1991 Ministerpräsident Teufel (CDU) ermuntert dennoch beim Landkreistag in Böblingen Landrat Dr. Heeb, doch grünes Licht für die Autobahnstrecke Leonberg-Gärtringen zu geben. Für so eine „unsinnige Forderung“ wird er von Bürgermeistern und Gemeinderäten der Kreisgemeinden sehr gescholten, auch in Magstadt.

1998 Ministerpräsident Teufel (CDU) nennt im Maichinger Bürgerhaus die B 464 einen Autobahnersatz. Im Magstadter Mitteilungsblatt stellt dagegen Bürgermeister Benzinger zum Jahresende fest, die B 464 diene ausschließlich der Verkehrsentlastung in Magstadt. Ihn unterstützt der Renninger Bürgermeister Maier mit der Ankündigung, er wolle so viele Ampeln entlang der B 464 aufstellen, dass kein Autobahnverkehr die Straßenspange als Abkürzung wählen werde.

1998 Die Industrie- und Handelskammer (IHK) fordert die Wiederaufnahme der Planung für die A 81 Leonberg-Gärtringen.

2002 Der Magstadter Bürgermeister erhebt Einspruch gegen den vierspurigen Anschluss der B 464 in Leonberg-West. Der Einspruch wird abgelehnt, die B 464 wird bis zur Abzweigung nach Warmbronn vierspurig gebaut.

2005 Beim ersten Spatenstich zur B 464 lässt Bernhard Maier, inzwischen Landrat im Kreis Böblingen, in der Stuttgarter Zeitung wissen, alle Ampeln entlang der B 464/B 295 sollen entfallen, damit kreuzungsfrei gefahren werden könne. Etliche Brücken werden vierspurig gebaut. Das Vorgehen wird als „Ertüchtigung“ verkauft, der Magstadter Bürgermeister Dr. Merz (FWV) stimmt der Wandlung der reinen Umgehungsstraße zur Ersatzautobahn ohne Zögern vorbehaltlos zu. Das Fahrzeugaufkommen wird neu bestimmt, statt von 17 000 Fahrzeugen geht man nun von 30 000 Fahrzeugen am Tag aus.

2006 Ministerpräsident Oettinger (CDU) bezeichnet die A 81 zwischen Sindelfingen und Böblingen in einem Bericht der Stuttgarter Zeitung als einen „historischen Fehler“, der nicht mehr gutzumachen sei. Die Autobahn Leonberg-Gärtringen wäre die bessere Lösung gewesen. Vom ehemaligen Renninger Bürgermeister und nunmehrigen Böblinger Landrat Maier verlautet, für ihn sei eine Welt zusammengebrochen, als unter Ministerpräsident Späth die Autobahntasse Leonberg-Gärtringen aufgegeben worden sei.

Die B 464 im Jahr 2019
Im Planungsloch des Lückenschlusses zwischen der B 464 und der B 295 in Renningen wird seit Jahren vom Landkreis Böblingen an einem Provisorium für die beiden Bundesstraßen herumgewurstelt. Ohne Baugenehmigung wurden zwei Kreisverkehre neben die Bundesstraßen gesetzt und Abbiegespuren verlängert. Besonders kritisch wird der kreuzungsfreie Anschluss der Leonberger Straße an die Ersatzautobahn.

Wie am Anschluss der Schafhauser Straße an die B 464 soll auch an der B 295 ein acht Meter hoher lärmträchtiger Bergzug aufgeschüttet werden, weil eine Unterführung im Grundwasser des Renninger Beckens die Stadt über sechs Millionen Euro kosten würde.

Der frühere Bürgermeister und Landrat Bernhard Maier ist im Regionalrat immer noch Vertreter des Landkreises Böblingen und wichtiger Verkehrs-Experte. Bürgermeister Faißt, seinem Nachfolger im Renninger Rathaus, hinterlässt er mit der ortsnahen Autobahnspange eine schwere Hypothek. Die Westumgehung des Ballungsraums Stuttgart ist Maier offensichtlich misslungen. Angeblich ist er nun an der Arbeit für eine Umgehungsstrecke im Nordosten Stuttgarts. Wird ihm auch sie misslingen? Der vormalige Regierungspräsident Andriof jedenfalls ist nach einem Jahrzehnt intensiver Bemühungen an diesem Projekt gescheitert.

B 464 eine Todesstrecke?
von Team 2020 am 17 Dec. 2019 18:49
Um die Trassenführung und Ausführung der B 464 wurde lange gestritten. Die betroffenen Kommunen waren sich hier nicht einig. Magstadt wollte eine ortsnahe Trassenführung, „weil sonst die Straße nicht angenommen würde“. Hier in Magstadt wurde die B 464 als Umgehungsstraße für Magstadt gesehen. Eine glatte Fehleinschätzung. Der Bund baut keine Ortsumfahrungen. Die B 464 (B= Bundesfernstraße) ist für eine bessere Verkehrsanbindung des Wirtschaftsraums Böblingen/Sindelfingen gebaut worden. Eine Autobahn-Verbindungsspanne zwischen A8 und A81 wurde bekanntlich verhindert. Überreste können heute noch an der linksseitigen Autobahnausfahrt in Gärtringen bewundert werden.

Jetzt macht Landrat Bernhard darauf aufmerksam, dass die Möglichkeiten seiner Behörde für mehr Sicherheit begrenzt seien. Klar, die Planung für die Trassenführung war aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen der beteiligten Kommunen wenig optimal. Besonders der Streckenabschnitt zwischen Mangstadt-Nord und Renningen mit seiner Steigung, seinen Kurven und teilweiser nachträglichen „Fahrbahnverengung“ entspricht nicht den Anforderungen, die an eine Bundesstraße mit diesem Verkehrsvolumen zu stellen sind.

Zuerst sollte diese Bundesstraße mit Kreuzungen und Ampelregelungen gebaut werden, was in letzter Minute noch verhindert wurde. Bürger mussten sich auf der Anhörung in Magstadt vom RP noch sagen lassen, dass ihnen der Überblick zu diesem Vorhaben fehle und nur die Behörde dieses beurteilen könne.

Wer derart resistent gegenüber besseren Vorschlägen war, provoziert geradezu jetzt Schlagezeilen wie „Die B 464 wird zur Todesstrecke“ oder Forderungen für „Mehr Sicherheit für B 464“.

Die Möglichkeit für eine sachgerechte Planung und Ausführung war gegeben, wurde aber nicht wahrgenommen.

RE: „Die B 464 wird zur Todesstrecke“
von Team 2020 am 30 Dec. 2019 18:22
Die Äußerung des früheren Ministerpräsidenten Oettinger (CDU), der historische Fehler mit der Bundesstraße B 464 sei nicht mehr gut zu machen, ist nicht richtig.

Entgegen der Annahme des damaligen Magstadter Bürgermeisters Benzinger, die Eisenbahnlinie mit der S 60 könne nicht im Grundwasser des Planbachtals unterfahren werden, ist dies tatsächlich geschehen. Das war sehr teuer

Damit ist der Anfang der Bodenseeautobahn A 81 von Leonberg-West nach Gärtringen wie schon 1934 vorgesehen jederzeit zu realisieren. Sie führt vom Grundhof kommend aufgeständert über die S 60 und das Döffinger Holz nach Süden. Der vierspurige Anschluss an die A 8 ist bis auf die Höhe von Warmbronn bereits gebaut, ebenso ein Anschluss in Gärtringen an die A 81.

Die Straßenbauingenieure waren weitsichtiger als die Politiker.

RE: „Die B 464 wird zur Todesstrecke“
von Team 2020 am 30 Dec. 2019 20:19
Auch die Magstadter Bürgerinitiative und die Maichinger Bauern waren weitsichtiger als die Politiker, die letztendlich entschieden haben. Darum wäre der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim gut beraten, sein damaliges Urteil zur Fehlplanung der B 464 zu revidieren. Er sollte den Maichinger Bauern ihre hart erarbeiteten 20 000 DM Prozesskosten zurückzahlen.

Die Magstadter Initiative und die Maichinger Bauern forderten den Verlauf der Trasse auf der Markungsgrenze. Dort wäre die B 464 jederzeit zu erweitern gewesen.

RE: „Die B 464 wird zur Todesstrecke“
von Max9 am 31 Dec. 2019 10:48
Der Knotenpunkt der B 464 und der Ihinger Straße (K 1006) ist eine einmalige und gefährliche Ansammlung von Straßenanschlüssen innerhalb eines Verkehrsbauwerks. Sie enthält die von Schwerlastern hochfrequentierte Steinbrucheinfahrt NSN, die Abbiegespur zum Ihinger Hof von der Länge eines einzigen Fahrzeugs, die Auffahrt zur B 464 nach Böblingen, die Abfahrt der B 464 von Renningen her, einen Feldweg zu Baumreuten, die K 1006 nach Magstadt, die Zufahrt zum Gewerbegebiet Felsenstraße, Zufahrt auch zum Rotsteinbruch und den Vereinsheimen im Erschel und die Abfahrt von der B 464 aus Richtung Böblingen.

In diesem Wirrwarr wollte der frühere Bürgermeister Dr. Merz noch einen siebten Anschluss für die Tankstelle im Gelände des Steinbruchs NSN unterbringen und stritt darüber jahrelang mit dem Landrat herum. Aber die Behörden wollten keinen siebten Fangarm an der gefährlichen Verkehrskrake zulassen. Sie hatten ohnehin Zweifel an diesem problematischen Verkehrsknoten bekommen und wollten ihn kurz vor Baubeginn der B 464 ganz aufgeben. Bürgermeister Merz war schließlich des Lobes voll über die sehr in seiner Gunst stehende Steinbruchfirma NSN. Ihr war es gelungen, ihren Nordanschluss an die Bundesstraße zu verteidigen. Merz aber hätte darauf drängen müssen, dass Schotterwerk und Deponie einen Südanschluss an die Schafhauser Straße (L 1189) bekommen, um über sie ohne Belastung der überforderten B 464 zur Großbaustelle Stuttgart 21 zu kommen. Schließlich ist ja die Magstadter Südtangente für 10 Millionen Euro dafür eiligst gebaut worden. Für die an der Nordausfahrt des Steinbruchs schwer Verunglückten kommt diese Erkenntnis zu spät.

Es ist zu hoffen, dass der neue Bürgermeister Glock am Anschluss der B 464 an die Schafhauser Straße das von Merz absichtlich in den Landschaftsschutz versetzte Gewerbegebiet wieder umwidmet. Dort will das Landratsamt nur noch in einem privilegierten Sondergebiet seine Straßenmeisterei bauen. Nach zwei Jahren im Amt ist es notwendig, dass Bürgermeister Glock die im Gemeindeentwicklungsplan 2008 ausgegebene absurde Parole „Magstadt darf keine Gewerbegemeinde werden“ endlich ausmerzt.

Richtungslose Klimaschutzpolitik
von Team 2020 am 06 Dec. 2019 12:10
Die derzeitige Klima- und Umweltschutzpolitik ist vergleichbar mit dem Stich in ein Wespennetz. Die Wirkung ist in beiden Fällen gleich. Wer schnell Verbesserungen will, muss auch realistische und geeignete Mittel anwenden.

Ein Beispiel:

Der Fokus ist im Augenblick schwerpunktmäßig auf das Batterieauto gerichtet. Dabei wurde durch verschiedene Untersuchungen festgestellt, dass das Elektroauto mit Batterie zur Erreichung der Klimaneutralität nach den derzeitigen Gegebenheiten eine Laufleistung von km 219.000 benötigt.

Die mit dieser Technik verbundenen Erschwernisse wie „tanken“ und reduzierte Reichweite sind inzwischen allgemein hinreichend bekannt. Der hohe Anschaffungspreis ist eine weitere Hürde. Wie sich das batteriegetriebene E-Auto in einem kalten Winter in der Praxis bewährt, muss sich erst noch zeigen.

Bei dem ganzen Klimagerödel werden andere klimaschonende Möglichkeiten nur in homöopatischen Dosen weiterentwickelt und angewandt.

Synthetischen Kraftstoffen, sogenannte E-Fuels, widmet die Politik, gleich welcher Couleur, angesichts der Dringlichkeit und Größenordnung dieser technischen Umstellung, kaum oder keine Aufmerksamkeit.

Die Umstellung auf die Klimaneutralität wird nach ersten Schätzungen über eine Billion kosten. Fehlinvestitionen können deshalb verheerende Schäden verursachen.

Die deutsche Volkswirtschaft steht hier vor finanziellen und kapazitätsmäßigen Herausforderungen, die mit den bis jetzt ergriffenen Maßnahmen kurzfristig nur mit nicht unerheblichen Kollateralschäden angegangen werden kann. Die Zielerreichung ist fragwürdig.

Die Verbots- und Regulierungswut der Politik sucht seinesgleichen.

Wegen der Dieselaffäre sind inzwischen Milliardenbußgelder verhängt worden. Diese Gelder fließen in den normalen Haushalt und werden dort für allgemeine Ausgaben verwendet. Wie der MP in BW erst kürzlich erwähnte, ließe sich der Landeshaushalt nur mit dem Zufluss dieser Mittel halbwegs erträglich gestalten.

Auf die Idee diese Mittel zusätzlich für die Klimapolitik einzusetzen, ist anscheinend bisher auf der politischen Ebene niemand gekommen. Diese Einnahmen könnten für Forschung und Entwicklung in den staatlichen Forschungseinrichtungen als auch mit Zielvereinbarungen in der Industrie für den Klimaschutz eingesetzt werden. Eine völlig überzogene Verbots- und Regelungspolitik wie in den bisherigen und vorgesehenen Ausmaßen mit zusätzlichen Abgaben/Belastungen für die Bürger wäre dann so nicht notwendig und außerdem ressourcenschonend. Dass die Bahn und der ÖPNV diese Lücke im Verkehr schließen können, ist Wunschdenken. Wie Infrastruktur politisch umgesetzt wird, ist an Stuttgart 21 und am Berliner Flughafen zu sehen, um nur einige prominente Beispiele zu nennen.

Landratsschelte
von Team 2020 am 30 Nov. 2019 22:52
Bürgermeister Erich Bohlinger (1947-1986) hat nie über seine Vorgesetzten, die Landräte Heß und Heeb, ein böses Wort verloren, schon gar nicht in der Presse. Nach dem 2. Weltkrieg hat er die schweren Kriegsschäden im Ort zügig beseitigt und außerhalb der alten Siedlung Wohn- und Gewerbegebiete bereitgestellt. Magstadt blieb eine Spitzengemeinde im Landkreis Böblingen.

Sein Nachfolger Hans Benzinger (1986-2002) führte diese Entwicklung im besten Einvernehmen mit Landrat Dr. Heeb fort. Auch im durch die Kreisreform vergrößerten Landkreis spielte Magstadt als direkter Angrenzer an Stuttgart vor den Daimlertoren in Sindelfingen eine wichtige Rolle als Gewerbegemeinde. Als Kreisrat wäre es Benzinger nicht eingefallen, den Landrat mit Schimpfkanonaden herauszufordern.

Bürgermeister Dr. Hans-Ulrich Merz (2002-2018) indessen, dessen erste Amtszeit ungefähr mit Landrat Bernhard Maiers Amtszeit (2000-2008) zusammenfiel, wurde zu einem besonderen Fall. Für seine Gemeinde hatte er eher kleineres, für sich selbst wohl größeres im Sinn. Nach dem Verlust seiner Stelle als Umweltamtsleiter im Leonberger Rathaus fand er seine neue Aufgabe ganz an der Seite des ehemaligen Renninger Bürgermeisters Maier und leistete ihm gute Dienste auf dem Weg Renningens zur Stadt und zum Industriestandort. In seinem eigenen Gemeindeentwicklungsplan für die Gemeinde Magstadt ging er auf deren Entwicklungspotenzial im industriellen Ballungsraum gar nicht ein, der Ort sollte vielmehr seinen “dörflichen Charakter“ bewahren, von seiner 100 Jahre alten Gewerbetradition ganz abrücken und „keine Gewerbegemeinde“ werden. Fazit: Magstadt sollte schrumpfen. Bürgermeister und Kämmerer blieb so am Stadtrand von Stuttgart viel Arbeit erspart.

Der Stadt Renningen sicherte Dr. Merz auf Jahrzehnte hohe Pachteinnahmen aus dem Schotterwerk und der Deponie des Steinbruchs NSN, für dessen Wiederaufnahme in Magstadt er sich gleich zum Beginn seiner Amtszeit erfolgreich eingesetzt hatte. Merz gab dann die Verkehrspläne aus der Amtszeit Erich Bohlingers ganz auf, die zur Entlastung des Ortsgebietes Umgehungsstraßen auf den Markungsgrenzen vorgesehen hatten. Er orientierte sich wiederum an Renningen und übernahm von dort Verkehrsplanungen, die Magstadt in ein einschnürendes Straßenkorsett aus Süd- und Osttangente zwangen, bekannt und gepriesen als „Magstadter Verkehrskonzept“. Ziel war die Herstellung einer möglichst günstigen, der kürzesten Verbindung des Schotterwerks NSN mit der Baustelle Stuttgart 21. Großzügige Wohn- und Gewerbegebiete südlich der Bahnlinie S 60 und am Schnittpunkt von B 464 und Schafhauser Straße, für Magstadt in den seitherigen Flächennutzungsplänen ausgewiesen, gingen dabei verloren, sie wurden in Landschaftsschutzgebiete umgewandelt. Der Wertverlust dieser Flächen für die Grundbesitzer geht in Richtung einer Milliarde Euro. Landrat Maier indessen konnte am Ende seiner Amtszeit auf sein Meisterstück in Renningen stolz sein.

Ein neuer Landrat wurde im Jahr 2008 gewählt. Dr. Merz war nicht unter den Kandidaten, sein neuer Vorgesetzter wurde nun Roland Bernhard. Mit ihm gab es alsbald Irritationen wegen der Ihinger Straße (K 1006). Wie die Neue Stuttgarter, die Maichinger, die Renninger und letztlich noch die Schafhauser Straße war im Konzept von Dr. Merz, der von seiner Idee der Straßensperrrungen geradezu besessen war, auch die Ihinger Straße zur Schließung bestimmt. Der neue Landrat musste aber hier das „Magstadter Verkehrskonzept“ korrigieren. Als „Bypass“ wird die Ihinger Straße bei den anstehenden Baumaßnahmen zur Verbreiterung der A 81 zwischen Sindelfingen und Böblingen auf Jahre hinaus eine unverzichtbare Rolle spielen.

Soweit reichte freilich der Blick bei Dr. Merz und seinen engsten Anhängern nicht. Er ließ die Gemeinderätinnen Armbruster (FWV) und Vorreiter (SPD) rebellisch werden und heftig protestieren. Dieter Beuter vom Verein „Lebens-Wertes Magstadt“ musste Protestschreiben nach Stuttgart schicken. In fünf Neujahrsbotschaften hintereinander griff der verbitterte Dr. Merz den Landrat offen an, bezichtigte ihn der Geldverschwendung und des Rechtsbruchs, anstatt ihm alles Gute zum Neuen Jahr zu wünschen. Für die Lokalzeitungen lieferte er damit hochwillkommenen Stoff.

Der jetzige Bürgermeister Florian Glock betrat 2018 also vermintes Gelände. Zur Entschärfung des Konflikts hörte man von ihm nichts, auch nachdem der Landrat dem Neuling im Amt seine Hilfe angeboten hatte. Glock führt unverändert fort, was ihm sein Vorgänger hinterlassen hat und sich im finanzschwachen Magstadt als kaum zu stemmen herausstellt, vor allem den Schulhausumbau. Seine harmlosen Start-up-Konzepte sind kein Ersatz für überfällige Bemühungen um ein neues Gewerbegebiet an der B 464.

Glock redet von einem interkommunalen Gewerbegebiet, das nur auf der Magstadter Westgrenze mit der Stadt Renningen zu machen ist. Das besteht aber schon jahrelang. Es sind Steinbruch und Deponie des Schotterwerks NSN. Schon vor Jahren wurde die Fläche um den Renninger Breitlaubwald auf über 100 Hektar erweitert, obwohl er unter Bürgermeister Benzinger schon aufgegeben war. Die Stadt Renningen sackt Millionen an Pachtgebühren ein, Magstadt erhält eine minimale Gewerbesteuer.

An dieser Stelle nun könnte sich tatsächlich ein zusätzlicher Großbetrieb ansiedeln. In Sindelfingen ist die Kreisdeponie erschöpft. Die Stadt will in ihrem großen Waldbestand keinen neuen Auffüllplatz mehr anlegen. Die kleineren Gemeinden im Kreis wehren sich, Deponiematerial aus den Städten Böblingen und Sindelfingen aufzunehmen. Darum hat das Landratsamt eine Findungskommission eingesetzt, welche die Steinbrüche im Muschelkalkgebiet des Kreises als Standorte untersuchen lässt. Dabei kommt Magstadt eine Favoritenrolle zu, hat es doch aus den Daimlerbaustellen über das Rheinsträßle schon früher große Erdmassen aufnehmen müssen, weit über die genehmigten Höhen hinaus. Vor Jahren gelang es dem Landschaftsschutzbeauftragten des Landkreises Siegfried Zenger, den Magstadtern über den Breitlaubwald eine 30 Meter hohen Bergzug über dem seither gültigen Landschaftshorizont aufzuschwatzen. Er schwärmte vom Duplikat des Schafhauser Hacksbergs. Dies wiederum zum Vorteil des Stadt Renningen und des Schotterwerks mit seiner Deponie. Den Magstadtern bleibt der Dreck, Staub und Lastwagenverkehr über das Ende dieses Jahrhunderts hinaus.

Wäre es für den neuen Bürgermeister nicht höchste Zeit, in Zeiten des Klimawandels dem alt aussehenden Magstadter Gemeinderat einmal zu erklären, woher bei vorherrschendem Westwind die Frischluft über den Ort verbreitet werden sollte? Aber Glock ist ja bei der FDP, nicht bei den Grünen.

H2-Antrieb: Wasserstoffantrieb feiert Revival
von Team 2020 am 29 Nov. 2019 03:03
Neben dem batteriegetriebenen Elektroauto gibt es noch weitere Alternativen (Link am Ende dieser Seite!). Aber geht es eigentlich nur um den Antrieb? Die Ansichten gehen hier auseinander. Mobilität ohne Auto scheint jedenfalls heute nur begrenzt möglich. Im Augenblick können andere Verkehrsträger den Autoverkehr nur teilweise ersetzen. Gleiches gilt für den Güterverkehr.

Es besteht hier ein Problem: Bestimmte Interessengruppen möchten das Auto am liebsten abschaffen, nennen aber keine bedarfsgerechten Ersatzlösungen. Es besteht hier nur eine Blickrichtung. Das es heute auch schon klimafreundliche Lösungen für die für die vorhandene Fahrzeugflotte und Infrastruktur gibt, wird nicht zur Kenntnis genommen. Mit diesen Lösungen könnte das Klima wesentlich schneller verbessert werden, bis dann einmal in (ferner) Zukunft praktikabelere Möglichkeiten gegeben sind.

In kurzen Videosequenzen wird die Problematik unter dem Link

https://www.ardmediathek.de/ard/shows/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8yMjI2MTE0/odysso-wissen-im-swr

dargestellt.

Zum Anschauen bitte den Link markieren und in die Adresszeile des Browsers kopieren.

HomePage H2-Antrieb: Wasserstoffantrieb feiert Revival
https://www.swr.de/wissen/odysso/H2-Antrieb-Wasserstoffantrieb-feiert-Revival,av-o1177329-100.html

Schulleiterschelte
von Team 2020 am 21 Nov. 2019 18:53

Seit Jahren spielten sich in den Gemeinden im Kreis und darüber hinaus teils dramatische Veränderungen in den Hauptschulen ab, wenn sinkende Schülerzahlen mancherorts zur Schließung bisher gut funktionierender Sekundarstufen zwangen. Viel zu spät hat auch der Magstadter Gemeinderat erkannt, dass der Ort auf seiner Grundschule sitzen bleiben könnte und damit ein Teil der Schulgebäude vom Leerstand bedroht ist.

Dank einer konsequent verfolgten Schrumpfpolitik hat sich Magstadt nicht wie alle anderen Kreisgemeinden weiterentwickelt. Ein Großteil der Schüler wanderte nach der Grundschule in die Nachbargemeinden ab, vor allem nach Renningen, da sich dem wirtschaftlichen Aufschwung im industriellen Ballungsraum rund um Stuttgart nicht verschlossen hat.

Der Abstieg der 1964 bezogenen und mehrmals erweiterten Johannes-Kepler-Schule mit Hauptschule, Mediothek und drei Sporthallen schädigt die Lebensqualität in einer der früheren Spitzengemeinden im Kreis Böblingen.

Um zu retten, was noch zu retten ist, besann man sich 2013, die Schule in das Programm der aufkommenden Gemeinschaftsschulen einzuschleusen, obwohl die nötige Schülerzahl für zwei Klassen (2 mal 16 Schüler) nicht zusammenkam. Der Trend, auf weiterführende Schulen außerhalb des Orts zu wechseln, war nicht zu stoppen.

Nach Bürgermeister Glocks Amtsantritt 2018 stellte sich heraus, dass die Kostenschätzungen seines Vorgängers Dr. Merz für die erforderlichen baulichen Veränderungen an der Schule korrigiert werden mussten. Statt auf 15 Millionen beliefen sie sich nun auf 30 Millionen Euro. Ein Abbruch der vorhandenen Schule mit anschließendem Neubau wurde gar auf 34 Millionen Euro taxiert. Gemeinderätin Gabriele Vorreiter, selbst Lehrerin, war geschockt. Bürgermeister Glock blieb nur die Feststellung, die finanzschwache Gemeinde könne dieses ganze Paket nicht anpacken. Nur in einzelnen Bauabschnitten wäre es zu realisieren. Der Gemeinderat will sich nun als nächstes mit der fragwürdigen Unterbringung der Schüler in der Umbauzeit beschäftigen und eine Containergruppe in einem Nachbarort besichtigen und deren Kosten kennen lernen.

Am 23. Mai 2019 meldete sich im Böblinger Boten auch die Schulleiterin Irene Wilfinger zu Wort. Sie richtete einen Vorwurf an die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), „deren Freude an der Gemeinschaftsschule sich schwer in Grenzen hält“. Prompt sei deswegen die Magstadter Schule in die Einzügigkeit zurückgefallen. Damit dürfte sie die womöglich nächste Ministerpräsidentin ganz schön auf die Palme gebracht haben.

Umgekehrt titelte die Sindelfinger Zeitung am 4. November 2019: „Kultusministerin bringt Schulleiter auf die Palme“. Wegen Lehrermangel will sie kleinere Klassen zusammenlegen. Bei einem Klassenteiler von 16 Schülern ist für Magstadt mit 17 Schülern im Jahrgang nun Gefahr im Verzug.

Ob das Vorpreschen der Schulleiterin mit der Gemeindeverwaltung abgestimmt war, ist ungewiss. Ob es vorteilhaft war, darf bezweifelt werden.

Debatte um Feinstaub
von Team 2020 am 19 Nov. 2019 23:50
In Kürze:

– Untersuchungen zufolge filtern Diesel-Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6d-TEMP in fast allen Fällen Feinstaub aus der a n g e s a u g t e n Umgebungsluft.

– Die Feinstaubwerte aus dem A u s p u f f waren zum Teil deutlich niedriger als in der a n g e s a u g t e n Stadtluft.

– Für hoch belastete Städte wie Stuttgart ist das eine gute Nachricht.

… weiter lesen mit Kommentaren: Link unten!

HomePage Debatte um Feinstaub
https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/videos/diesel-autos-feinstaub-verkaufszahlen-100.html

RE: Debatte um Feinstaub - Comeback für den Diesel
von Team 2020 am 20 Nov. 2019 00:17
Die Diesel-Verkaufszahlen steigen wieder: Moderne Motoren verbrauchen wenig Treibstoff und überzeugen mit niedrigen Feinstaub- und CO2-Werten. Fast immer holt ein neuer Diesel im Betrieb mehr Feinstaub aus der Luft, als er selbst hinzufügt.

Mehr im Viedeo. Link unten!

HomePage Video: Debatte um Feinstaub: Comeback für den Diesel

https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/videos/diesel-autos-feinstaub-verkaufszahlen-video-100.html

RE: Debatte um Feinstaub
von traxl am 20 Nov. 2019 12:10
Elektroautos retten das Klima nicht.

Alleine schon der frei lesbare Teil des Artikels zeigt, hier läuft was in der Politik nicht optimal. Aktionismus scheint, wie so oft, an der Tagesordnung zu sein. Politisch wird nur das Elektroauto als Heilsbringer gesehen. Mit dem derzeitigen Entwicklungsstand ist das aber nicht der Fall. Vielmehr kann das Elektroauto heutiger Prägung nur eine Zwischenlösung sein. Die heutigen Käufer von Elektroautos könnte das gleiche Schicksal wie die Dieselfahrer erleiden.

Auf soziale und demografische Gegebenheiten wird keine Rücksicht genommen. Wird das Auto zum Luxusartikel? Werden große Bevölkerungsteile von der Mobilität einfach abgehängt? Besonders Ältere leiden, wenn sie nicht mehr mobil sind und kein selbstbestimmtes Leben mehr führen können. Dieser Personenkreis fährt eh nicht mehr viel und nur, wenn unbedingt notwendig.

HomePage Elektroautos retten das Klima nicht

https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/motor/elektroautos-retten-das-klima-nicht-16489149.html